
Auslösecharakteristik B, C oder D: welcher Leitungsschutzschalter passt
Auf jedem Leitungsschutzschalter steht ein Buchstabe vor der Amperezahl: B16, C16, D16. Der Buchstabe beschreibt nicht, wie viel Strom das Gerät dauerhaft verträgt — das ist die Zahl —, sondern wie schnell es bei einem Vielfachen davon abschaltet.
Die drei Charakteristiken
| Charakteristik | Magnetische Schnellauslösung | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| B | 3 bis 5 × Nennstrom | Steckdosen, Licht, allgemeine Hausinstallation |
| C | 5 bis 10 × Nennstrom | Motoren, Transformatoren, große LED-Anlagen |
| D | 10 bis 20 × Nennstrom | Schweißgeräte, große Motoren, Röntgentechnik |
Der thermische Überlastschutz ist bei allen drei gleich. Nur die magnetische Auslösung — die bei einem Kurzschluss innerhalb von Millisekunden greift — unterscheidet sich.
Warum es überhaupt verschiedene gibt
Manche Verbraucher ziehen beim Einschalten kurzzeitig ein Vielfaches ihres Betriebsstroms. Ein Motor beim Anlauf, ein Transformator beim Einschalten, und heute besonders relevant: eine größere Zahl von LED-Leuchten. Deren Netzteile laden im Einschaltmoment ihre Eingangskondensatoren, und dieser Stoß dauert zwar nur Mikrosekunden, kann aber das Zwanzigfache des Nennstroms erreichen.
Ein B-Automat sieht darin einen Kurzschluss und schaltet ab. Ein C-Automat lässt den Stoß durch. Deshalb ist bei Beleuchtungsanlagen mit vielen LED-Treibern C oft die richtige Wahl — nicht, weil die Leitung mehr verträgt, sondern weil der Einschaltstrom sonst zu Fehlauslösungen führt.
Der gefährliche Denkfehler
Wenn eine Sicherung regelmäßig auslöst, ist die Versuchung groß, einfach auf C oder auf einen höheren Nennstrom zu wechseln. Das ist aus zwei Gründen falsch:
Erstens schützt der Leitungsschutzschalter die Leitung. Sein Nennstrom muss unter der Belastbarkeit der Leitung bleiben. Ein B16 an einer Leitung, die nur 15 A verträgt, ist bereits grenzwertig — ein B20 wäre schlicht unzulässig. Was Ihre Leitung tatsächlich trägt, zeigt die Strombelastbarkeits-Tabelle.
Zweitens muss die Abschaltbedingung eingehalten werden: Bei einem Körperschluss am Ende der Leitung muss der Schutzschalter innerhalb der geforderten Zeit abschalten — in Endstromkreisen bis 32 A innerhalb von 0,4 Sekunden. Ob das gelingt, hängt vom Schleifenwiderstand ab. Je höher die Charakteristik, desto mehr Kurzschlussstrom ist dafür nötig. Bei langen Leitungen kann ein C-Automat diese Bedingung schlicht nicht mehr erfüllen — dann schaltet er im Fehlerfall zu spät oder gar nicht magnetisch ab.
Deshalb: Charakteristik nach dem Einschaltverhalten wählen, Nennstrom nach der Leitung, und die Abschaltbedingung nachweisen. Nicht umgekehrt.
Und die Abschaltstrombegrenzung?
Auf dem Gerät steht zusätzlich ein Wert wie 6000 oder 10000 im Rechteck. Das ist das Kurzschlussausschaltvermögen in Ampere — wie viel Kurzschlussstrom das Gerät sicher beherrscht. In der Hausinstallation reichen 6 kA fast immer; nahe am Ortsnetztransformator oder in gewerblichen Anlagen sind 10 kA angebracht.
Passendes Material
Leitungsschutzschalter führen wir in 6 kA und 10 kA, jeweils in B- und C-Charakteristik von 2 bis 63 A. Welcher Nennstrom zu Ihrer Leitung passt, rechnet der Kabelquerschnitt-Rechner gleich mit aus.

